Osmanische Steinschlosspistole mit Ganzmetallschaft

Mit Metall beschlagene Steinschlosspistolen aus dem osmanischen Raum werden relativ häufig angeboten. In der Fachliteratur ist nicht viel darüber zu finden. Ein uns kürzlich angebotenes Stück hat dann aber doch ein paar interessante Details zu Tage gefördert, was wir hier an unsere Leser weitergeben möchten.

Ganzmetallpistole

Ganzmetallpistole Seitenansicht

Ganzmetallpistole

Ganzmetallpistole Draufsicht

Ganzmetallpistole

Ganzmetallpistole Gegenseite

Die Herstellzeit war Anfang des 19. Jahrhunderts. Diese Waffenart lässt sich auf den Norden des osmanischen Reiches, nämlich in das Gebiet des heutigen Albaniens lokalisieren. Das Miquelet-Schlosssystem ist rund um das Mittelmeer zu finden.

Prächtiges Miqueletschloss

Miqueletschloss Aussenansicht im entspannten Zustand


Miqueletschloss Innenansicht im entspannten Zustand

Schloss gespannt 1.Rast

Hierbei rastet der Hahnfortsatz über einen gefederten Zylinder und liegt dann auf dem Zylinder auf.

Feuerrast

Feuerrast

In der Feuerrast liegt der Hahnfortsatz auf einem gefederten Rechteck auf . Beim Betätigen des Abzugs wird das Rechteck und der Sicherheitszylinder gleichzeitig nach innen gezogen und gibt den Hahn zur Funkenerzeugung frei. Im Schloss sind in einem Silberband drei Halbedelsteine eingelegt.

Der Lauf besteht aus breitem Banddamast. Die Marke befindet sich an der Unterseite des Laufes und wird beim Entnehmen des Schlosses sichtbar.
Damastlauf mit Marke Die Befestigung des Laufes erfolgt wie üblich an der Schwanzschraube. Ein verziertes Silberplättchen wird auf die Stahlschwanzschraube gelegt und mit verschraubt. Vorne wird die Silbermanschette einfach aufgesteckt.

Einzelteile der zerlegten Pistole

Einzelteile der zerlegten Pistole

Da die Waffe bei der Anlieferung verschmutzt war und im Schaft eine kleine Delle hatte, wurde sie zerlegt und gereinigt.

Wir erwarteten einen schlanken Holzschaft vorzufinden, der mit Messing, Neusilber oder Silberblech beschlagen ist. Unsere Waffe zeigte dagegen einen hohlen, selbsttragenden Vollsilberschaft, der lediglich im Schlossbereich einen kurzen Holzkern hat.  Er soll sicherstellen, dass beim Festziehen der Schlossschrauben der Silberschaft nicht zusammengezogen wird. Auf dem obigen Bild steckt der Abzug im Holzkern. Dass es sich tatsächlich um massives Silber handelt, ergab eine Analyse mittels der Röntgenfluoreszensmethode. Die Zusammensetzung ergab 71,2% Silber (Ag), 21,8 %Kupfer (Cu), 4,9% Silizium (Si), 0,9% Eisen (Fe), 0,5% Blei (Pb),0,3% Zinn (Sn),  0,1% Phosphor (P) . Diese Legierung bringt eine für Silber hohe Festigkeit, sodass der Schaft ohne massivem Holzkern selbsttragend gestaltet werden kann.

Für mich stellte sich die Frage nach der Herstellmethode des hohlen Schaftes.  Unter dem Mikroskop gab der Schaft sein Geheimnis preis. Er besteht aus mehreren Teilen, die mit Silberhartlot verlötet wurden. Der Griff besteht aus zwei Hälften, der Knauf ist an der dünnsten Stelle angesetzt. Der Vorderschaft besteht aus einem halbkreisförmig gebogenen Blech. Unterhalb des Schlosses ist eine rechteckige Platte aufgelötet Warum??  Die Nähte wurden vor dem Gravieren sorgfältig verputzt, sodass mit dem blosen Auge nichts mehr zu erkennen ist.

Hohlschaft im Schlossbereich

Hohlschaft im Schlossbereich

Hohlschaft im Schlossbereich

Hohlschaft im Schlossbereich

Das letzte Rätsel sind die hohen Höcker im Oberteil des Schaftes. Wurden sie vorgegossen und dann ausgearbeitet ? Oder wurden sie aus dem vollen Material herausgeschnitten?  Dies ist selbst unter dem Mikroskop nicht herauszufinden. Vielleicht weiss ein Leser darüber Bescheid und würde uns das mitteilen.

Kommentar (1) Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Ute,
    frohe Weihnachten fuer Dich + Deine Familie.
    Wir haben vor ein Paar Jahre ueber die Fueckert HahnDF gemailt.
    „Das letzte Rätsel sind die hohen Höcker im Oberteil des Schaftes. Wurden sie vorgegossen und dann ausgearbeitet ? Oder wurden sie aus dem vollen Material herausgeschnitten? Dies ist selbst unter dem Mikroskop nicht herauszufinden. Vielleicht weiss ein Leser darüber Bescheid und würde uns das mitteilen.“
    Ueber alle Fragen habe ich RICHTIGE Antworten, mache seit Jahre eine „Studie“ ueber diese Pistolenart, Dein Artikel ist gut+++, hat manche Fehler, aber ausser …Papst, niemand weisst alles, also sei nicht beleidigt !
    Falls Du Interesse & Beziehungen hast, koennten wir Deine fast medizinische „Untersuchung“ & meine ministudie in irgendeine DE Waffenzeitschrift ( DWJ oder ? ?) publizieren lassen.

    Gruesse aus Kreta
    Epimenidis Platsidakis

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.